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Mutterrolle als Beziehungskiller. Geliebte oder zweite Mutter - wer bist Du für Deinen Mann?

Was passiert mit der Beziehung, wenn die Lebenspartnerin nicht nur zur Mutter für das eigene Kind wird, sondern auch in die Mutterrolle für ihren Mann rutscht? 

Eltern sein und Paar bleiben - heute schauen wir uns das Thema aus einem etwas anderen Blickwinkel an. 

 

„Schatz, nimm dir am besten eine Jacke mit. Heute Abend soll es recht kühl werden.“ - ruft sie zu ihm rüber, während sie sich für das langersehnte Date zurecht macht. „Ach ja, und ich konnte den Hausarzt erreichen. Dein Termin ist am 24. Oktober. Bitte notiere diesen, damit Du ihn nicht wie beim letzten mal versäumst! Die Praxis ruft dann nämlich wieder bei mir an.“ - Was auf den ersten Blick nach gut gemeinter Fürsorge und Liebe aussieht, entpuppt sich in Wirklichkeit als eine Falle für die Beziehung. 

 

Dabei hat alles so schön angefangen!

Wer kennt es nicht, gerade zu Beginn der Beziehung möchte man auf verschiedene Art und Weise die Zuneigung und Liebe dem Partner gegenüber zeigen. Gerade Frauen zeigen sich oft von ihrer besonders fürsorglichen Seite. Sie wollen ihre Männer unterstützen, entlasten und bestärken. Sie verwöhnen sie mit ihrer Fürsorge im Alltag und übernehmen zusätzliche Aufgaben. Doch nach ein paar Jahren (und spätestens wenn das Kind da ist) sieht die Realität des Alltags etwas anders aus: aus Lob werden Vorwürfe, aus Komplimenten - Kritik. Innerlich denken sich beide Parteien: 

 

Sie: „Er ist nie da! Und wenn er da ist, dann mache ich eh alles allein!“ 

Er: „Sie weiß alles besser. Ich kann es ihr eh nicht recht machen.“ 

 

Wie kommt es nur dazu, dass man noch vor kurzem den Partner aus Liebe umsorgt hat und jetzt aus Frust und Überforderung mit Vorwürfen begegnet? 


Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Es liegt in der Natur der Frau, sich fürsorglich um ihre Familie zu sorgen. Nahrung, Zuwendung, Unterstützung des Partners und verlässliche Betreuung der Kinder  - das sind die unverzichtbaren biologischen Funktionen einer Frau. Doch unser Familienleben nimmt durch den evolutionären Fortschritt eine völlig neue Dynamik an: Wir Frauen werden nicht nur zu Ehefrauen und Müttern, sondern gehen wie unsere Männer auf die „Jagd“ nach Selbstverwirklichung und Karriere. 

 

Das Bild der modernen Frau verlangt ihr vieles ab: sie muss sich einerseits um ihre Unabhängigkeit sorgen und gleichzeitig für ihre Familie da sein. 

 

Und genau an dieser Stelle entsteht der Konflikt zwischen der modernen Frau und der Mutter Natur. Job und Familie unter einen Hut zu bekommen - für viele Frauen nur eine Frage der guten Organisation. Es wird fleißig geplant, strukturiert und kommandiert. Denn schließlich möchte sie, dass es allen Familienmitgliedern gut geht und bloß nichts vergessen wird.  

 

Die unsichtbaren Aufgaben einer Frau, von denen ein Mann nicht weiß:

 

«Ich führe ein kleines Familienunternehmen» - diesen Satz würden wahrscheinlich viele Frauen unterschreiben. Oft kümmern sie sich nebenher um viele „unsichtbare Dinge“, die im Alltag anfallen. Die  fälligen U- Vorsorgeuntersuchungen der Kinder im Blick behalten, Einkaufslisten schreiben, die Spülmaschine ausräumen und gleichzeitig recherchieren, welcher Handwerker sich um kaputte Rollläden kümmern kann. Natürlich gibt es sowas wie Aufgabenaufteilung, doch in den meisten Familien werden diese Aufgaben von Frauen übernommen. Männer wissen meistens nicht mal, dass es diese Aufgaben zu erledigen gibt. Doch die unsichtbaren To Dos kosten Zeit und manchmal auch den einen oder den anderen Nerv. Im englischsprachigen Raum gibt es für dieses Phänomen einen Begriff: «emotional labor»: Es sind die unsichtbaren Dinge, die wir Frauen tun, um alle zufrieden zu stellen, ohne dass es überhaupt einer bemerkt. Ja, wir Frauen haben meist den Familienalltag im Griff. Doch das bedeutet nicht, dass all die Aufgaben, die wir tagtäglich unbewusst übernehmen, bei den Männern aus dem Ruder laufen würden. Männer könnten uns im Alltag viel mehr unterstützen, wenn wir es ihnen nur erlauben würden.

 

„Bist Du die Ober-Mutti, der Familienchef oder seine Frau?“

 

Jetzt mal ganz ehrlich, denken wir Frauen wirklich, dass Männer ohne unsere gutgemeinten Ratschläge oder Nachfragen im Alltag nicht klar kommen würden? Sie würden in falsch gewaschenen Klamotten laufen, die Wohnfläche in ein Messie-Haus verwandeln oder verhungern? Nein, ganz sicher nicht. Ich denke sogar, dass manche von ihnen vielleicht als Ledige etwas entspannter leben würden, als in einer Beziehung. Denn da gibt es schließlich nicht ständige Verbesserung und Kontrolle. Spätestens wenn Männer zu Vätern werden, verdienen sie unser Vertrauen. Es ist absolut Ok, dass sie etwas „anders“ mit den Kindern umgehen als wir. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Sie tun es, wie wir Mamas auch, aus Liebe und bestem Wissen und Gewissen. Sie können den Kindern das geben, was wir nicht können. Der Partner ist nicht dazu da, um alle unsere Erwartungen und Wünsche zu erfüllen. Der Partner ist eine unabhängige und selbstständige Person… auch wenn es uns manchmal schwer fällt das zu glauben. 

 

„Ein Mann braucht keine Frau, die ihm stets den rechten Weg weist und Ratschläge gibt.

Ein Mann braucht eine Frau, die auf seine Kompetenz vertraut und sich auf ihn verlassen kann.“

 

Bevor ich in der nächsten Kolumne tiefer auf das Thema „Mutterrolle als Beziehungskiller“ eingehen werde, möchte ich Dir ein paar Fragen zum Nachdenken mitgeben. Beobachte dich selbst, wie Du Dich gegenüber Deinem Partner verhältst. 

 

  • Wie berührst Du ihn?
  • Wie nimmst Du ihn wahr? 
  • Wie sprichst Du mit ihm? Über welche Themen und in welcher Tonlage?
  • Wie oft rutscht das kritische „Eltern-ich“ aus Dir raus?  (Häufig äußert sich dies durch: Wertung einer Handlung, Moral, Zurechtweisung, versteckte Forderungen,Kontrolle, Sorgen für Ordnung. Charakteristisch sind zusammengezogene Augenbrauen, furchterregender Blick, Kopfschütteln, Naserümpfen. Beim Sprechen oder Denken fallen häufig Worte wie „müssen“, „sollen“, „immer“, „nie“, „nein“, „es kann doch nicht wahr sein“)
  • Wie oft sprichst und handelst Du aus dem „fürsorglichen Eltern- Ich“? (Häufig ähnliche Züge, wie man sich einem Kind gegenüber verhalten würde „Schatz, hast Du heute schon was anständiges gegessen?“ / “Du musst Dich unbedingt ausruhen!“)

Falls ihr Fragen oder Anregungen zu dem Thema habt, dann schreibt mir gerne bei Instagram (@serafima.rhein) eine Direktnachricht oder auch eine Email (info@womancoach.de).

Ich freue mich in der nächsten Kolumne zu erzählen, wir ihr aus der Mutterrolle für den Partner wieder rauskommt und mehr Nähe und Vertrauen als Paar gewinnt. 

Bild: Serafima Rhein, privat